Umstrittener Werkstoff - Gutes oder schlechtes Plastik?

Kunststoffe sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Möbel, elektronische Geräte oder Kleidungsstücke - Sie alle sind aus Kunststoff. Auch in der Medizin sind sterile Kunststoffverpackungen und Einwegprodukte notwendig, da sie unter anderem vor Bakterien und Viren schützen und gegen Flüssigkeiten beständig sind. Kein anderer Werkstoff ist so vielseitig einsetzbar und wird trotzdem immer wieder in einem schlechten Licht dargestellt: globale Entsorgungsprobleme, vielerorts unzureichende Abfallwirtschaft und das Plastik im Meer. Doch steckt in Kunststoff weitaus mehr als nur das “böse Plastik”.
Veröffentlicht: Dossier April 2020

2018 wurden weltweit 359 Millionen Tonnen Kunststoffe produziert, 62 Millionen Tonnen davon in Europa. Davon entfallen 40 Prozent auf Verpackungen. Sie sind die umstrittenste und doch wichtigste Nutzung von Kunststoff: Verpackungen schützen das Produkt auf dem Transportweg vom Herstellungsort bis zum Endverbraucher. Denn wird die Ware währenddessen beschädigt, sind die eingesetzten Rohstoffe und die freigesetzte Energie während der Produktion umsonst verbraucht worden. Zusätzlich schützen sie die Produkte vor Insekten, Bakterien, Viren oder anderen Einflüssen,. das ist insbesondere bei Lebensmitteln unabdingbar: Mit dem Einsatz einer geeigneten Kunststoffverpackung verlängert sich die Haltbarkeit von Lebensmitteln. Die Verpackung sorgt also für die Reduktion des ökologischen Fußabdruckes. 

Unser Umgang mit dem Material ist das Problem

Durch die falsche Entsorgung und den Einsatz von Verbundstoffen statt Mono-Materialien können viele Kunststoffverpackungen nicht recycelt werden. Deshalb suchen die Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette nach Lösungen: Kunststoffverpackungen werden immer leichter und erfüllen aufgrund von gestiegenen lebensmittelrechtlichen Anforderungen trotzdem immer mehr Zusatzfunktionen. Bereits im Jahr 2013 konnten fast eine Millionen Tonnen Kunststoff eingespart werden: Eine Waschmittelflasche wog zur Anfangszeit des Kunststoffes 300 Gramm, heute sind es gerade mal 30 Gramm.

Stofflich verwerten ist wichtig

Die korrekte Entsorgung über den gelben Sack, die gelbe Tonne oder die Wertstofftonne hingegen können die Verbraucher beeinflussen: Werden Kunststoffverpackungen gesammelt, kann das Material recycelt werden und neue Produkte können entstehen. Aus PET-Getränkeflaschen zum Beispiel werden durch das patentierte URRC-Verfahren der Veolia PET Germany GmbH lebensmitteltaugliche Rezyklate, die im nächsten Schritt zur Herstellung neuer Getränkeflaschen oder anderer Verpackungen genutzt werden können. PET aus Haushaltssammlungen, also den Abfällen aus dem gelben Sack oder der gelben Tonne, werden als Polyesterfasern in in der Automobil- oder Bauindustrie eingesetzt. Vorsortierte Kunststoffe aus HDPE- und PP-Verpackungsabfällen werden verarbeitet zu Verpackungen oder langlebigen Produkten, wie zum Beispiel zu Rohren oder Noppenbahnen, die Drainagezwecken dienen. So wird bereits heute der Großteil der Kunststoffabfälle stofflich verwertet und somit einem Wertstoffkreislauf zugeführt. 

Gibt es Alternativen zu Kunststoff?

Seit der Plastik-Diskussion überschwemmen vermeintliche Kunststoffalternativen den Markt: die sogenannten Biokunststoffe. Damit werden biobasierte Kunststoffe und biologisch abbaubaren Werkstoffe beschrieben. Diese können beispielsweise aus Mais, Zuckerrohr oder Zellulose hergestellt werden. Oftmals ist nicht bekannt, dass die Belastung der Umwelt durch den Einsatz dieser Biokunststoffe teilweise höher ist als durch Kunststoffe aus Erdöl, da sie sehr viel Wasser und Dünger benötigen. Zusätzlich wird der Regenwald abgeholzt, damit Platz für Zuckerrohrplantagen entsteht, die um Flächen mit der Lebensmittelproduktion konkurrieren. Mit den Aufschriften “biologisch abbaubar” oder “kompostierbar” wird dem Verbraucher suggeriert, dass eine Entsorgung von biologisch abbaubaren Kunststoffen wie zum Beispiel Biotüten und -besteck über die Biotonne richtig ist. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass diese Biokunststoffe in den Kompostierungs- und Vergärungsanlagen nicht vollständig abgebaut werden, da dort der Rotteprozess nur wenige Wochen andauert. Somit gelangen die biologisch abbaubaren Kunststoffe, wie auch herkömmlicher Kunststoff, über den Bioabfall als Mikroplastik oder sichtbare Fremdstoffe in das Kompostprodukt, auf die landwirtschaftlichen Flächen und in den Nahrungsmittelkreislauf.

Auch Verpackungen aus Papier kommen meist nicht ohne Kunststoff aus: Ohne die innere Kunststoffbeschichtung eines Tetrapaks würde die Flüssigkeit auslaufen, weil die Pappe nicht dicht hält. Um den Bedarf an Papierverpackungen zu decken, werden außerdem jährlich mehrere Millionen Bäume gefällt. Bei Glas hingegen, einem Werkstoff, der wieder und wieder verwendet werden kann, schlagen aufgrund seines Gewichts der CO2-Ausstoß bei seinem Transport zu Buche.  Eine rundum unbedenkliche Alternative sind Biokunststoffe und Verpackungen ausschließlich aus Papier oder Glas also nicht.

Ein funktionierendes Entsorgungssystem hilft gegen Umweltverschmutzung 

In Deutschland haben wir ein funktionierendes Entsorgungssystem. Mit dem gelben Sack, der gelben Tonne und der Wertstofftonne gehen wir mit gutem Beispiel voran. Das ist aber nicht überall so, weshalb Veolia andere Länder beim Aufbau von Sammelsystemen unterstützt. Eine Allianz globaler Unternehmen aus der Kunststoff- und Konsumgüter-Wertschöpfungskette, darunter Veolia, sagt den Plastikabfällen in der Umwelt den Kampf an. Diese Unternehmen haben eine Organisation gegründet, die Lösungen zur Beseitigung von Plastikabfällen in der Umwelt, insbesondere im Meer, vorantreibt: Allianz gegen Plastikmüll in der Umwelt (AEPW).

Man muss ihn nicht lieben, nur bewusst damit umgehen

In Zeiten, in denen Plastiktüten und -trinkhalme aus unserem Leben verbannt werden und Mikroplastik in den Flüssen nachgewiesen wird, sollte der Umgang mit dem Werkstoff Kunststoff bewusster werden. Dafür kann jeder einzelne etwas tun, etwa mit der richtigen Entsorgung der Kunststoffprodukte. Die Industrie, der Handel und die Politik müssen gewonnen werden, um Kunststoffe weiterzuentwickeln und den Einsatz von Rezyklaten zu einer Selbstverständlichkeit zu machen. So kann das Material durch das Recycling der Abfälle und die Rückgewinnung von Rohstoffen in einen kontrollierten Kreislauf gebracht und von der Natur ferngehalten werden. Kunststoff bleibt also wichtig, technisch bedeutsam, ökonomisch relevant und mit Blick auf die Zukunft vielleicht sogar ein ökologischer Vorreiter.