Spuren im Regen

Wie lässt sich die Umwelt vor Mikroschadstoffen schützen? Das Institut für Siedlungswasserwirtschaft der TU Braunschweig (ISWW) forscht gemeinsam mit der Veolia Tochter Stadtentwässerung Braunschweig (SE|BS) an innovativen Lösungen. Dazu gehört auch TransMiT – ressourcenoptimierte Transformation von Misch- und Trennentwässerungen in Bestandsquartieren mit hohem Siedlungsdruck.
Veröffentlicht Januar 2021

Mikroplastik und Biozide werden immer häufiger im Regenwasser nachgewiesen – eine Gefahr für Bäche und Flüsse und somit auch für den Menschen. Gemeinsam mit der TU Braunschweig sucht Die SE|BS im Rahmen des Forschungsprojekts TransMiT nach Wegen, um die Schadstoffbelastung zu reduzieren: Die städtischen Entwässerungssysteme sollen noch effizienter und umweltfreundlicher werden.

Das TransMiT-Teilprojekt „Weitergehende Reinigung von Regenwasser“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und umfasst neben einem Monitoring zur Niederschlagswasserbelastung die Erprobung von Retentionsbodenfiltern im halb- und großtechnischen Maßstab. Monitoring und Versuchsbetrieb starteten parallel im Oktober 2020 unter Leitung des ISWW.

Im Fokus der Untersuchungen stehen vor allem Biozide aus Baumaterialien (z. B. Fassadenfarben) sowie Mikroplastik, das größtenteils aus Reifenabrieb stammt. Als Mikroplastik gelten potenziell gesundheitsschädliche Kunststoffteilchen mit einem Durchmesser von weniger als 5 Millimetern. Biozide sind potenziell gewässerschädigende Chemikalien, die z. B. in Fassadenanstrichen und Holzschutzmitteln verwendet werden, um Baumaterialien gegen den Aufwuchs von Algen und Pilzen zu schützen. Weder Biozide noch Mikroplastik wurden bislang bei der Regenwasserbehandlung berücksichtigt – in Braunschweig ändert sich das jetzt.

Zur Bestimmung der Schadstoffbelastung ermittelt das ISWW für unterschiedliche Stadtquartiere die jeweilige Niederschlagswasserqualität. So können Hotspots der Verunreinigung in Zukunft genau lokalisiert und gezielt Reinigungsmaßnahmen eingeleitet werden. Zurzeit erfolgt die erste Monitoringphase in einem Quartier mit gemischter Bebauung in der Braunschweiger Weststadt. Die Probenentnahme wird automatisch durchgeführt und über den Wasserstand im Kanal gesteuert. Um möglichst schnell belastbare Daten liefern zu können, wird zunächst die Probenahme optimiert.

Die abgeschlagenen Schmutzfrachten sollen mithilfe von Retentionsbodenfiltern (RBF) aus den aufnehmenden Gewässern ferngehalten werden. Mit einer halbtechnischen Versuchsfilteranlage der SE|BS soll das ISWW den Rückhalt von Bioziden und Mikroplastik mittels RBF ermitteln und der Betrieb großtechnischer Anlagen entsprechend optimiert werden. Zu diesem Zweck wird ebenfalls in der Braunschweiger Weststadt ein RBF in ein neu gebautes Regenrückhaltebecken der Stadtentwässerung Braunschweig integriert und durch ein wissenschaftliches Monitoring des ISWW begleitet. Auf dieser Grundlage sollen Lösungen entwickelt werden, mit denen sich herkömmliche Entwässerungssysteme nachhaltig und ressourcenoptimiert aufrüsten lassen.

Neben ISWW und SE|BS sind unter anderem die Stadtentwässerungen Hannover und Hildesheim, die Landeshauptstadt Hannover sowie das Institut für Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik der Leibniz Universität Hannover an TransMiT beteiligt.

Wissenschaftliches Monitoring: Probenahme aus einem halbtechnischen Versuchsfilter am Laborstandort.

Ungewöhnlicher Versuchsaufbau: Monitoring der Niederschlagswasserqualität mit automatischer Probenentnahme direkt im Regenwasserkanal in einem Siedlungsgebiet mit gemischter Bebauung.

Ihre Ansprechpartner:

Dr.-Ing. Aslan Belli
Leiter FKZ Kanalnetzbewirtschaftung SE|BS
[email protected]

Dr.-Ing. Katrin Bauerfeld
TU Braunschweig, Institut für Siedlungswasserwirtschaft (ISWW)
[email protected]