Jean-Michel Severino - Vorsitzender von Veolias "Critical Friends"

Seit der Gründung im Jahr 2013 unterstützt der Ausschuss "Critical friends", dessen fünfzehn Mitglieder Experten auf verschiedensten Gebieten sind, Veolia bei Überlegungen zu wichtigen ethischen, gesellschaftlichen, strategischen und operativen Herausforderungen in einem Klima kritischer Offenheit .
Veröffentlicht Juli 2020

"Wir schaffen einen nützlichen, einzigartigen Raum, in dem man seine Meinung frei äußern kann“, das sagt Jean-Michel Severino
Vorsitzender von Investisseurs & Partenaires (I&P) und des Veolias-Ausschusses "Critical Friends". Seit der Gründung im Jahr 2013 unterstützt der Ausschuss Veolia bei Überlegungen zu wichtigen ethischen, gesellschaftlichen, strategischen und operativen Herausforderungen in einem Klima kritischer Offenheit – eine Besonderheit des Ausschusses. Der Name spricht für sich. Dabei gibt es zwei Spielregeln: völlige Meinungsfreiheit und Vertraulichkeit der Debatten. 

Inwiefern ist der Ausschuss für Veolia wichtig?

Severino: Veolia verlässt sich auf seine "kritischen Freunde", um komplexe Themen zu diskutieren, ohne intellektuelle und ethische Zugeständnisse machen oder einen Konsens erlangen zu müssen. Die Stärke dieses Prinzips liegt in der großen Meinungs- und Interaktionsfreiheit gegenüber dem oberen Management. Wie damals, als Veolia uns zu seinen Aktivitäten in den Bereichen radioaktiver Abfall, Schiefergas und Kohle befragte, drei Themen, zu denen es unter den "Critical Friends" unterschiedliche Meinungen gab: Ist die Verbesserung der Umweltleistung von Tätigkeitsbereichen, die ökologisch betrachtet angeprangert werden, eine Verbesserung oder Verschlechterung der Ergebnisse? Auch wenn diese Debatten philosophisch erscheinen mögen, haben sie spürbare Auswirkungen auf das Renommee, die Strategie und den Betrieb.

Wurde der Zielsetzung des Unternehmens, bei der Sie mitgewirkt haben, die richtige Struktur gegeben?

Severino: Meiner Meinung nach wurden die Managementaufgaben durch einen Ansatz bereichert, den der CEO seit langem verfolgt, der Ansatz des Nutzens eines Unternehmens für seine Interessengruppen, und durch die strategischen Maßnahmen und CSR-Ansätze von Veolia untermauert. Bereits 2014 debattierte der Ausschuss darüber, was der Anspruch an das Grundanliegen "Ressourcen für die Welt" mit sich bringt. Der Beitrag zur Definition und Ausarbeitung der Zielsetzung war daher ein logischer Schritt. Wir haben uns zeitgleich mit dem Text, dem Ansatz und der Lenkung befasst. Für den Ausschuss, der in intensiver Interaktion mit der Generaldirektion stand, war die neue Einbindung des Komitees in die Lenkung der Zielsetzung ein komplexer Schritt. Dies führte zu eingehenden Diskussionen, zum Beispiel über Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen, um die für Veolia nützlichen Charakteristiken des Ausschusses - Meinungsfreiheit und Nicht-Konsens - zu bewahren. Ab 2021 werden wir uns daher an der kritischen Beobachtung der Leistungsindikatoren dieser Zielsetzung mitwirken.

Inwiefern haben Sie die Ausarbeitung des Scoreboards beeinflusst?

Severino: Die Stabilität eines Indikatorensystems liegt nicht in seiner Fähigkeit, die ganze Welt abzubilden, sondern in seiner Fähigkeit, in dem von ihm abgebildeten Teil glaubwürdig zu sein und Akzeptanz zu finden. Der Ausschuss musste Veolia davon überzeugen, dass die unterschiedlichen Aspekte der Zielsetzung nicht auf der Grundlage eines einzigen Indikators erfasst werden konnten. Wir hatten beispielsweise eine sehr lebhafte Diskussion darüber, wie wir die Ethik im Scoreboard gewichten sollten. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der Zielsetzung und spiegelt sich im Aufbau des Scoreboards wider! 

Wie wollen Sie Veolia bei der Vorbereitung auf die Zeit nach Corona unterstützen?

Severino: Corona ist für Veolia ein Umbruch in vielerlei Hinsicht. Die Pandemie hat zwei Themen ins Rampenlicht gerückt: Gesundheit/Umwelt und biologische Vielfalt. Diese Themen waren bei Veolia bereits stärker berücksichtigt worden als anderswo und werden auf der strategischen Agenda der Gruppe wieder ganz oben stehen. Sie gibt auch Anlass zu eingehenden Überlegungen über die Organisation von Veolia, insbesondere ihre sozialen Aspekte. Ich denke an die Abfallwirtschaft, wo die Mitarbeiter jeden Tag auf den Straßen unterwegs sind, während weltweit Ausgangsbeschränkungen gelten. In der aktuellen Phase wird die Bedeutung von Veolia als Dienstleister in vollem Umfang deutlich. 

Keywords