Ist die Einführung eines CO2-Preises wirksam gegen den Klimawandel?

In dem 2016 von fast 200 Ländern unterzeichneten Pariser Abkommen wird die Grenze der globalen Erwärmung bis 2100 auf unter 2° C festgelegt. Außerdem soll bis 2050 die Klimaneutralität erreicht werden. Die Besteuerung der Kohlendioxidemissionen stieg zwischen 2016 und 2019 zwar um 182 % an (von 16,9 Mrd. $ auf 47,8 Mrd. $), allerdings nahmen auch die Emissionen in den letzten 10 Jahren um durchschnittlich 1 % pro Jahr zu.
Veröffentlicht Januar 2021

Weltkarte der expliziten CO2-Preise im Jahr 2020

In dem 2017 veröffentlichten Bericht der "High Level Commission on Carbon Prices" unter dem gemeinsamen Vorsitz von Joseph Stiglitz und Nicholas Stern wird daran erinnert, dass die Ziele des Pariser Abkommens nur dann erreicht werden können, wenn sich alle Länder auf einen CO2-Preis zwischen 40 und 80 $ pro Tonne CO2 bis 2020 bzw. zwischen 50 und 100 $ pro Tonne CO2 bis 2030 einigen. Die obige Karte zeigt, dass nur eine Handvoll Länder das Ziel 2020 erreicht hat. 

60 % des globalen BIP werden durch CO2-Preise abgedeckt

2020 haben 44 Länder und 31 Territorien, auf die 60 % des globalen BIP und 43 % der gesamten CO2-Emissionen entfallen, durch eine direkte Besteuerung (CO2-Steuer), durch ein Emissionshandelssystem (ETS) oder eine Kombination aus beidem einen expliziten CO2-Preis eingeführt. Der explizite Preis pro Tonne CO2 reicht von weniger als 1 $ bis 123 $.

Verteilung der CO2-Preis-Einnahmen und Zuordnung der Ressourcen

  • 79 % der ETS-Einnahmen ($17,52 Mrd. ) stammen aus dem Programm der Europäischen Union.
  • 82,5 % der ETS-Einnahmen ($18,376 Mrd.) sind für "grüne Projekte" vorgesehen.
  • 63 % der Einnahmen aus der CO2-Bepreisung ($16,084 Mrd.) werden dem Staatshaushalt zugeteilt.

Wirtschaftliche Rezession führt zur Reduzierung der Emissionen 

In den letzten zwanzig Jahren gingen Zeiten mit rückläufigen Kohlenstoffemissionen mit einem Konjunkturrückgang einher, wie z.B. die Finanzkrise im Jahr 2008 oder die Corona-Beschränkungen im Jahr 2020, wo die Emissionen im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum gleichen Zeitraum 20191 um 8,8 % (1.551 Mteq CO2) zurückgingen. Die CO2-Bepreisung muss sich erst noch bewähren, insbesondere durch die Finanzierung größerer Dekarbonisierungsprojekte, wie z.B. das Ersetzen fossiler Brennstoffe im Verkehr durch erneuerbare Energien.

Erhöhung der CO2-Preise und bessere Verteilung der Ressourcen

Ein weiterer Vorteil der CO2-Besteuerung ist, dass zu alternativen Energien angeregt wird, wodurch diese gegenüber anderen, fossileren und kostengünstigeren Brennstoffen wettbewerbsfähig werden. Allerdings gibt es immer noch viel zu viele Länder, die sich nicht oder nur in geringem Umfang an den globalen Bemühungen einer CO2-Besteuerung beteiligen. Um eine Trendumkehr zu erzielen, müssen die Steuern höher sein und in mehr Ländern und auf breiterer Basis erhoben werden. Derzeit fallen bestimmte Sparten oder Industrien nicht unter das Emissionsbesteuerungssystem ihres Landes, wodurch der Übergang zu sauberer Energie verzögert wird. In der Schweiz erhebt man beispielsweise eine der höchsten CO2-Steuern der Welt (98 US-Dollar pro Tonne CO2), diese deckt aber nur ein Drittel der landesweiten Emissionen ab.

Auch die CO2-Emissionserlöse könnten besser verwendet werden. Die Zuteilung der CO2-Steuereinnahmen zu bestimmten Projekten (Erzeugung erneuerbarer Energie, kohlenstofffreies Bauen, Verkehr) ist daher effizienter als die direkte Einbindung der eingenommenen Mittel in die nationalen Haushalte. Eine gezielterer Verwendung der Mittel und höhere Einnahmen könnten zu einer nachhaltigen Reduzierung der CO2-Emissionen führen.

1 https://www.nature.com/articles/s41467-020-18922-7