INRA und die 4-Promille-Initiative

Interview mit Jean-François Soussana zur Zusammenarbeit mit dem Nationalen Institut für Agronomieforschung INRA

Jean-François Soussana, Vizepräsident des Forschungsinstituts INRA, zuständig für internationale Politik.

Jean-François Soussana

Wie ist INRA in die 4-Promille-Initiative eingebunden?

Neben der Bereitstellung eines wissenschaftlichen Rahmens für die Initiative hat das Institut INRA im Jahr 2015 einen wissenschaftlichen Ausschuss mit weiteren nationalen und internationalen Gremien sowie ein erstes Forschungsprogramm gestartet, zu dem es bereits mehrere Publikationen gibt. Wir tragen zu den Arbeiten und Veröffentlichungen des wissenschaftlich-technischen Ausschusses der 4 Promille-Initiative und zu den Überlegungen über die Verwaltung und Ziele der Initiative bei. Wir haben auch eine nationale Studie über das Kohlenstoffspeicherungsvermögen der französischen Böden im Hinblick auf das 4 Promille-Ziel durchgeführt, in der die Auswirkungen der land- und forstwirtschaftlichen Praktiken auf die Entwicklung des Kohlenstoffbestands über 30 Jahre simuliert wurden.

Die dabei gewonnenen neuen Erkenntnisse sollten in die öffentliche Politik einfließen, denn sie zeigen, wie wichtig es ist, Dauergrünland, Feuchtgebiete und Wälder, in denen die Böden im Allgemeinen hohe Kohlenstoffbestände aufweisen, zu erhalten und den Flächenverbrauch zu stoppen. Sie ergänzen die Maßnahmen zur Steigerung der Kohlenstoffbestände dort, wo sie gering sind, nämlich hauptsächlich auf großen Anbauflächen. Durch die Umsetzung dieser beiden komplementären Ziele in ganz Frankreich wäre es möglich, die Kohlenstoffspeicherfähigkeit der Böden in den Ballungsräumen auf knapp 4 ‰ pro Jahr anzuheben.

Die Beziehungen zwischen Veolia und INRA bestehen seit langem. Was macht diese, auf der 4 Promille-Initiative beruhende Partnerschaft aus?

Durch die Partnerschaft mit Veolia konnten wir Antworten auf die Dynamik ausgebrachter organischer Abfallprodukte in den Böden, die Entwicklung der Mikroschadstoffe in den organischen Abfallprodukten und die biologische und mikrobiologische Funktionsweise regelmäßig gedüngter Böden finden.

Jedes Jahr werden in Frankreich 330 Millionen Tonnen organische Abfälle in der Landwirtschaft verwertet. Die Rückführung dieser Produkte in den Boden steigert dessen Fruchtbarkeit. Sie könnte außerdem zur Erhöhung der Kohlenstoffspeicherfähigkeit beitragen und damit die Ziele der 4 Promille-Initiative unterstützen.

Inwiefern sind Veolia und ihre Tochtergesellschaft Sede ein wichtiger Partner für INRA?

Es muss dokumentiert werden, dass die Rückführung dieser organischen Abfallprodukte in den Boden keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt hat. Dank Veolia entstand daher über die Tochtergesellschaft Sede ein Netzwerk von Versuchsstandorten. Diese Standorte in Größe einer Parzelle ermöglichten die Messung - an einigen Standorten seit über zehn Jahren - der langfristigen Entwicklung eines Agrarsystems, auf dem organische Abfallprodukte ausgebracht werden.

Schlüsselwörter

Gesetze Gesundheit Bioabfälle