Interview mit François Bland - Direktor des Nationalparks Calanques

"DIE MOBILISIERUNG FORTSETZEN"
Veröffentlicht Januar 2021
Francois Bland, Direktor des Nationalpark Calanques

Sind Sie nach jahrelangen Streitigkeiten über die Ableitungen in das Meer zufrieden mit den eingeführten Lösungen? 

F.B.: Die Tätigkeit von Alteo hat immer wieder Spannungen und Fragen zu den Auswirkungen der Abwasserableitungen hinsichtlich Verschmutzung und menschliche Gesundheit aufgeworfen. Als neuer Akteur in der Region befasste sich der Nationalpark Calanques seit seiner Gründung mit der industriellen Umweltverschmutzung durch die Abwässer der Tonerdefabrik Gardanne. 2014 erlegte der Verwaltungsrat eine drastische Verringerung der Verschmutzung und die Einhaltung der Abwassernormwerte bei den Ableitungen in die Gewässer des Nationalparks innerhalb von sechs Jahren auf. Das Ziel ist nun erreicht und die Spannungen haben sich im Großen und Ganzen gelegt. Die Ergebnisse sind ganz klar ermutigend. Nichtsdestotrotz folgt man im Nationalpark weiterhin einer Logik des schnellen Fortschritts. Die von Veolia auf dem Alteo-Gelände installierte Kläranlage ist der Beweis dafür, dass sich die Industrie anpassen kann und diese Art von integrierter, leistungsstarker und umfassender Lösung auch anderswo eingesetzt werden könnte.

Inwiefern sichert diese biologische Kläranlage für Industrieabwässer eine für die lokale Wirtschaft wichtige Tätigkeit bei gleichzeitigem Schutz des ökologischen Erbes des Nationalparks Calanques?

F.B.: Zunächst einmal wird deutlich, dass ein Schutzgebiet Teil eines großen Gebiets sein kann, dessen Geschichte und Wirtschaftsleben darin berücksichtigt werden. Indem man im Nationalpark vermied, sich "grundsätzlich" gegen jegliche Einleitung ins Meer auszusprechen - was auf die Schließung der Anlage in Gardanne hinausgelaufen wäre - hat der Nationalpark sozioökologische gegenseitige Abhängigkeiten berücksichtigt, um schnell zu einer Lösung ohne umweltschädliche Einleitungen zu gelangen. Ökonomie und Ökologie schließen einander nicht aus. Die Bemühungen der Industrieunternehmen, ihre Instrumente anzupassen, ist begrüßenswert. Dabei darf ihre Fähigkeit, die Meeresumwelt zu berücksichtigen, nicht in Frage gestellt werden.

Kann man das Alteo-Veolia-Projekt auch anderswo anwenden? 

F.B.: Was die Herangehensweise, aber auch die Entwicklung neuer Techniken betrifft, denke ich, dass der Ansatz von Alteo Maßstäbe setzt. Der Kontext im Falle des Nationalparks hatte eine schnelle Entwicklung ermöglicht. Es war absolut notwendig gewesen, die besten verfügbaren Techniken zu erforschen und zu implementieren. Diese können jetzt in Anlagen angewendet werden, in denen ähnliche Mineralien verarbeitet werden.

Was die langfristigen Ziele des Nationalparks Calanques sind? Man könnte beispielsweise mit Alteo ins Auge fassen, gar kein Abwasser mehr ins Meer abzuleiten, indem man die Tonerdeproduktion mit einem Recycling des Wassers in der Anlage koppelt.

Der Nationalpark Calanques hat jedes Jahr zwischen 1,5 und 2 Millionen Besucher (zu Land und zu Wasser).

Im „Parc national des Calanques“ leben 60 geschützte Meeresarten und 140 geschützte terrestrische Tier- und Pflanzenarten.

Die beiden Anlagen haben eine Behandlungskapazität von 300 m3 Wasser pro Stunde.