Kunststoffrecycling China-Importstopp

Drehscheibe für Plastikrecycling

Seit Januar 2018 hat China seine Grenzen für den Import von Plastik- und Papiermüll geschlossen. Eine Entscheidung, die eine Neuorganisation der Recyclingindustrie weltweit und vor allem in Europa erforderlich macht.

Herausforderung

Die Steigerung der Kunststoffproduktion sowie das Schließen der chinesischen Grenzen für Plastikabfälle führt zu einer Erhöhung des Recyclingbedarfs in Europa.

Ziel

Diesen Nachteil in eine unternehmerische Chance umwandeln.

Veolia's Lösung

Die Tätigkeit von Veolia im Bereich des Kunststoffrecyclings, vor allem in Europa, ausbauen.

Einer amerikanischen Studie zufolge wird man für die Aufbereitung von 111 Millionen Tonnen Kunststoff, die bis 2030 nach China hätten exportiert werden sollen, neue Bestimmungsorte finden müssen. Seitdem das Reich der Mitte seine Tore geschlossen hat, steigen die Plastikmüllimporte in Länder wie Malaysia, Vietnam, Thailand und Indonesien rapide an. Doch auch diese Märkte sind gezwungen, die Importe aufgrund ihrer unterdimensionierten Infrastrukturen zu begrenzen oder zumindest die Importländer dazu aufzufordern, ihre Gesetzgebung strenger zu gestalten.

Ein Trumpf im Ärmel

Die Entscheidung Chinas ist für den europäischen Recyclingsektor aber auch eine Chance. Man muss sich lediglich auf die neuen Gegebenheiten einstellen. Das ist der Fall in Deutschland, wo Veolia seine Behandlungs- und Recyclingkapazitäten für Plastikmüll ausbaut. Im Rostocker Werk recycelt Veolia jährlich 1 Milliarden PET Flaschen. An den beiden Veolia-Standorten in Bernburg – Multiport und MultiPet – werden jeweils 38 500 Tonnen Kunststoffverpackungen aus PEHD 3 und PP 4 und jährlich 40 000 Tonnen PET-Flaschen recycelt. Dank der Investitionen der letzten Jahre wurde Deutschland zur Recycling-Drehscheibe für Materialien, die aus ganz Europa kommen. Eine Strategie, die sich seit der Entscheidung Chinas als äußerst sinnvoll erwies.
Da es hierzulande eine sehr gute Recycling-Infrastruktur gibt, sieht Veolia in Deutschland das chinesische Verbot eher als Chance. Gute Voraussetzungen, die durch die am 1. Januar 2019 in Kraft getretene ehrgeizige nationale Gesetzgebung zur Verwertung von Verpackungen begünstigt werden. In der neuen Reglementierung ist vorgesehen, die Ziele für das Kunststoffrecycling bis 2022 von 36 % auf 63 % anzuheben.

Materialien aus ganz Europa

„Wir behandeln Materialien aus ganz Europa“, erklärt Herbert Snell, Geschäftsführer von Multiport und MultiPet. „Wir recyceln sowohl die Materialien, die in Deutschland über ein landesweites Pfandsystem und die Mülltrennung in den Haushalten gesammelt werden, als auch die Abfälle aus Frankreich, Belgien, Großbritannien und aus vielen anderen Ländern. Zwei Drittel der von uns behandelten Materialien stammen aus Hausmüll, das letzte Drittel, das von Multiport verarbeitet wird, stammt aus der Industrie.“ Das Werk Multiport recycelt Kunststoffe,  die neue Polymere ersetzen sollen, die hauptsächlich für die Herstellung von Rohren benutzt werden. Multipet produziert PET Flakes, die zur Herstellung zahlreicher Artikel – Flaschen, Heimtextilien, Faserbänder und Plastik etc. – dienen.

Das Schließen der chinesischen Grenzen führt darüber hinaus zu einer Zunahme der Materialmengen. Veolia kann also Recyclingtechnologien entwickeln, die vor kurzem wirtschaftlich nicht umsetzbar schienen, wie z. B. für das Recycling von PEBD 5 -Abfällen. Die Lösung des Problems: die Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft in Deutschland bzw. in ganz Europa fortzusetzen.
 

70 000 Tonnen Plastikmüll werden bei Multiport und MultiPet jährlich recycelt

1 Milliarde Flaschen werden wird jährlich in Rostock recycelt

180 000 Tonnen CO2-Emissionen werden dank des Recyclings an den Standorten Multiport, MultiPet und Rostock vermieden