Rookery

Ein neues Modell für saubere Energie

Die einstige Tongrube von Rookery South, die sich auf halbem Weg zwischen London und dem Industriegebiet der Midlands befindet, könnte für Veolia eine Hochburg der Innovation werden. Nicht wegen der derzeitigen herkömmlichen energetischen Verwertung von Abfällen in dieser stillgelegten, 90 Hektar großen Tongrube, sondern wegen der Ausarbeitung eines vollkommen neuen Nutzungssystems für diesen Standort.

Herausforderung

Die Anzahl der Mülldeponien in Großbritannien verringern

Ziel

Einen neuen Weg zur Behandlung nicht recyclingfähiger Abfälle finden.

Veolia's Lösung

Im Rahmen einer innovativen geschäftlichen Partnerschaft ein Kraftwerk bauen.

Die Besonderheit von Rookery South besteht darin, dass Veolia bei diesem Projekt Geschäftspartner ist an der Seite von Covanta, einem amerikanischen Spezialisten für die Umwandlung von Abfall in Energie, und der Green Investment Group (GIG), einem Experten für Investitionen in umweltfreundliche Infrastrukturen.

Neue Partner

„Covanta kennt Veolia wegen seiner anerkannten Kompetenzen im Bereich des Recyclings von Verbrennungsasche und des Verkaufs von Strom an das britische Stromnetz“, erläutert Christophe Bellynck, Direktor für geschäftliche Entwicklung bei Veolia Großbritannien und Irland. "Dieses Unternehmen verfolgt die gleichen geschäftlichen Interessen wie wir."

„Bis jetzt wurde ein Großteil unserer Werke in Folge eines Vertrags mit der Gebietskörperschaft gebaut“, erklärt Christophe Bellynck weiter. Von den zehn Abfallverwertungsanlagen Veolias entstanden neun nach einer Auftragsvergabe durch die Kommunen. In diesen Anlagen werden generell die von den kommunalen Abfuhrdiensten gesammelten Haushaltsabfälle behandelt. Das heißt, Veolia ist verantwortlich für das Sammeln der Abfälle, deren Recycling und die Abfallverringerung. Was die zehnte Einheit, die Anlage SELCHP im Süden Londons betrifft, werden dort zwar auch Abfälle der Kommunen behandelt, diesmal jedoch im Rahmen privater geschäftlicher Partnerschaften.

Ein neues Modell

Die Anlagen werden im Rahmen dieser Verträge von Veolia finanziert und betrieben und nach Vertragsende wieder an die Kommunen „zurückgegeben“. Im Fall Rookery South verhält sich das jedoch anders. Im Gegensatz zu den vorhergehenden Verträgen sind Veolia, Covanta und GIG Miteigentümer der Abfallverwertungsanlage von Rookery South, eine Anlage, die zu 30% aus Eigenkapital und zu 70% über Bankkredite finanziert wird. „Veolia wird einen Großteil der Abfälle liefern, Covanta wird die Anlage betreiben und GIG wird der Investor sein.“ so Christophe Bellynck.
Die Anlage wird aus einem Kraftwerk bestehen, das vor allem der Behandlung von Abfällen aus kommunalen und industriellen Sektoren dient, jedoch auch Hausmüll behandeln kann. Christophe Bellynck zufolge wird die Anlage mit industriellen und kommerziellen Abfällen über Veolia gespeist, gelegentlich auch mit den Abfällen anderer Kommunen, die sich im Rahmen einer Ausschreibung für Veolia entscheiden.

Teamwork

Rookery Grafik

Auch wenn das Unternehmen bereits über solide Erfahrungen im Bereich der abfallbasierten Energieerzeugung verfügt, mussten die Veolia-Teams in Großbritannien ihre Arbeitsmethoden von Grund auf ändern. Sie waren mit einem neuen wirtschaftlichen Modell einer Anlagenbewirtschaftung mit externem Partner konfrontiert und leisteten engste Teamarbeit, um einen Markt zu erobern, an den sich das Unternehmen vorher noch nie herangewagt hatte.

„Diese Art von Geschäftsmodell war damals vollkommen neu. Auf dem Markt waren die meisten Versuche dieser Art bisher nicht unbedingt zielführend gewesen“, fasst Richard Kirkman, Direktor für Technologie und Innovation bei Veolia Großbritannien und Irland zusammen.

Rookery South ist ein extrem komplexes und umfassendes Projekt. Um es erfolgreich umzusetzen, musste Veolia die betriebsinterne „menschliche Maschinerie“ des Unternehmens umstellen und die Beziehung zu externen Mitarbeitern überdenken, um etwas grundlegend Neues anzubieten. „Bei diesem Projekt wurden ca. fünfzig Personen mobilisiert“, so Richard Kirkman. Jede von ihnen erfüllte ungewöhnliche Aufgaben. Das Vertriebsteam beispielsweise brachte zahlreiche private oder öffentliche Verträge unter Dach und Fach, obwohl es bisher gewohnt war, mit einem lokalen Referenten zusammenzuarbeiten. Außerdem wurden den Banken finanzielle Informationen gegeben, die Veolia üblicherweise nicht mitteilte. 

Ein globales Programm

Doch Veolias Aufgabe besteht nicht nur in der vertraglich vereinbarten Beschaffung des Restmülls. Das Unternehmen übernimmt außerdem die Steuerung des Kontrollsystems für luftverunreinigende Schadstoffe. Sobald die Anlage von Rookery South fertiggestellt und einsatzbereit ist (vorauss. Anfang 2022), wird Veolia die Vereinbarung über den Stromverkauf an das öffentlichen Netz verwalten. Die Kohärenz des Projekts wird am Ende durch verschiedene Programme gewährleistet, z.B. für die Bebauung des umliegenden Geländes mit Rechenzentren, die direkt über das Kraftwerk gespeist werden, oder die Lieferung von Wärme und Strom an Werke, die in der Region entstehen.

Dank der zentralen Lage am Kreuzpunkt bedeutender Städte - Luton, Northampton, Milton Keynes etc. – wird Rookery South jährlich über 545 000 Tonnen Abfälle behandeln und 60 MW Strom erzeugen und somit den Bedarf von 112 500 Haushalten decken können.

Langfristige Projekte

Für Veolia soll dies als Modell für andere Abfallverwertungsanlagen in Großbritannien dienen. „Zahlreiche Vorhaben befinden sich in der Entwicklung“ bestätigt Christophe Bellynck. Dieses Modell, bei dem Veolia dank der Finanzierung durch Dritte Miteigentümer des Standorts, Abfalllieferant und Anlagenverwalter ist, ist sowohl innovativ als auch effizient. Langfristig möchte Veolia drei weitere Anlagen bauen. Für eine von ihnen wurde bereits eine Baugenehmigung beantragt. "Wir sind überzeugt davon, dass dieses Modell eine vielversprechende Zukunft hat.“

 

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