Carsten Müller

Effizienz ist machbar. Wenn den Worten Taten folgen.

Energie- und Ressourceneffizienz nehmen bei Veolia einen hohen Stellenwert ein. Deshalb ist das Unternehmen auch Teil des Deneff Netzwerks. Die VEOLUTIONS im Gespräch mit DENEFF-Vorstandschef Carsten Müller.

Wo haben wir in Deutschland bezüglich der Energiewende in den vergangenen Jahren gute Fortschritte gemacht, wo hapert es noch?

Carsten Müller: Deutschland war lange Vorreiter im Bereich Klimaschutz und Energieeffizienz. Energieeffizienzlösungen „made in Germany“ sind auch heute noch weltweit Spitze. Die EU-Energieeffizienzrichtlinie und der Nationale Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) weckten viel Hoffnung in der Branche und waren ein richtiger und wichtiger Schritt.

In den letzten Jahren ist die Effizienzpolitik aber ins Stocken geraten. Das Bekenntnis zum Grundsatz „Efficiency First“ im Koalitionsvertrag war ein wichtiges Signal, doch der Slogan muss endlich zum Handlungsprinzip werden. Denn trotz aller Bekundungen wird immer noch viel zu oft einseitig von der Erzeugung her gedacht, ohne gleichzeitig bestehende Effizienzpotenziale zu heben. Das ist der falsche Weg: Die aktuelle Folgenabschätzung des Bundesumweltministeriums bestätigt, dass eine nationale Klimaschutzstrategie, die ihren Schwerpunkt auf Energieeffizienz legt, die wirtschaftlich beste ist. Auch die Internationale Energie Agentur (IEA) betont in ihrem Report „Efficiency 2018“, wie wichtig und wirksam Energieeffizienzpolitik ist – aber auch, dass die Regierungen noch deutlich mehr tun müssen. Das sollten wir uns zu Herzen nehmen, dann klappt es auch mit der Energiewende.
 

„Das Bekenntnis zum Grundsatz „Efficiency First“ im Koalitionsvertrag war ein wichtiges Signal“
 

DENEFF

Die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e. V. (DENEFF) wurde 2010 als erstes unabhängiges, branchenübergreifendes Netzwerk von Vorreiterunternehmen gegründet. Als starke Stimme der Energieeffizienz vertritt sie mittlerweile rund 170 Unternehmen. In der Mitgliederstruktur spiegelt sich die gesamte Bandbreite der Branche wider: von Start-ups über KMUs bis hin zu internationalen Großkonzernen.

 

Erfahren Sie mehr unter:
www.deneff.org

Wie könnte die Bundesregierung die Rahmenbedingungen noch weiter verbessern? 

Carsten Müller: Ziele sind formuliert und der Grundsatz „Efficiency First“ ausgerufen, doch auf diese Ziele einwirkende Maßnahmen im Bereich Energieeffizienz werden weiter auf die lange Bank geschoben. Bestes Beispiel ist die Steuerförderung für die energetische Gebäude­sanierung, die es vom Koalitionsvertrag leider nicht in den Haushalt geschafft hat – und das zum wiederholten Mal. Bei den Parlamentsberatungen des Haushalts 2020 im Herbst sollte hier dringend nachgesteuert werden.

Die Branche erhofft sich zudem viel von der im Koalitionsvertrag angekündigten sektorübergreifenden Energieeffizienzstrategie. Hier sollten unbedingt bestehende Hürden für Energiedienstleistungen beseitigt werden, um das Prinzip „Efficiency First“ auch in der Praxis zu verankern. Hierfür wäre ein Diskriminierungsverbot nötig, das Schluss macht mit der Schlechterstellung von Energiedienstleistungen,
zum Beispiel im EEG, im Mietrecht und an vielen anderen Stellen.

Die DENEFF versteht sich als „starke Stimme der Energieeffizienz“. Wie genau möchten Sie das Thema voranbringen? 

Carsten Müller: Die DENEFF ist vor knapp neun Jahren als „starke Stimme der Energieeffizienz“ mit zehn Gründungsunternehmen angetreten, weil es damals keine Lobby für die eingesparte Kilowattstunde gab. Heute sind wir ein branchenübergreifendes Netzwerk von über 170 Vorreiterunternehmen, die Energieeffizienzlösungen anbieten. Wir formulieren gemeinsam politische Vorschläge, bringen aber auch erstmals die sehr heterogene „Energieeffizienzbranche“ an einen Tisch oder konkreter gesagt, in einen Workshop-Raum, um mit agilen Arbeitsmethoden neue Marktentwicklungen gemeinsam voranzutreiben. 

„Insbesondere in der Digitalisierung steckt noch enormes Potenzial …“
 

Dabei vernetzen wir die Branche in Projekten wie dem „Finanzforum Energieeffizienz“ oder „Asset Class Energieeffizienz“ auch mit wichtigen Akteuren aus der Finanz- oder der Immobilienwirtschaft. Außerdem sind wir im engen Austausch mit verschiedenen Anwender-Branchen, um gemeinsam herauszufinden, was noch möglich ist und wo noch Potenziale zur Effizienzsteigerung schlummern. Auch der regelmäßige Austausch von Best Practices ist hiervon ein wichtiger Bestandteil.

Von welchen Innovationen und Ansätzen im Bereich Energieeffizienz versprechen Sie sich für die kommenden Jahre am meisten? 

Carsten Müller: Insbesondere in der Digitalisierung steckt noch enormes Potenzial, Energiesparen und Energieeffizienzdienstleistungen noch intelligenter, einfacher und am Ende auch günstiger zu machen. Nahezu täglich entstehen in Deutschland Start-ups, die in diesem Bereich aktiv sind. Die DENEFF hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese jungen, agilen Unternehmen auf ihrem Weg zu unterstützen. Beim DENEFF Start-up-Tinder vernetzen wir sie erfolgreich mit etablierten Effizienz­unternehmen, wovon beide Seiten enorm profitieren können.

Um die Energiewende zum Erfolg zu führen, müssen etablierte, starke Unternehmen mit jungen und disruptiven Start-ups zusammenarbeiten. Immer relevanter wird auch die Begegnung des Fachkräftemangels, unter dem die Branche mehr und mehr leidet. Beim EnergyEfficiencyHack, der 2019 zum dritten Mal stattfand, nutzen wir dafür ein innovatives Format. An zwei Tagen kamen Anfang April über 160 Studierende und junge Absolventen aus mehr als 15 Ländern zusammen, um gemeinsam vier von DENEFF-Mitgliedern gestellte Challenges zu lösen, indem sie digitale Lösungen für konkrete Herausforderungen im Bereich Energieeffizienz entwickelten.