Ableitung der Abwässer ins Meer: Normen, die alles ändern

Das Werk von Alteo in Gardanne (Departement Bouches-du-Rhône), das als eine der Wiegen der Tonerdeproduktion weltweit gilt, hatte vor einigen Jahren Schlagzeilen gemacht, weil der Rotschlamm der Anlage damals ins Meer abgeleitet wurde. Nachdem das Unternehmen erneut für Aufsehen sorgte, weil es auch seine Industrieabwässer in das Mittelmeer ableitete, wandte es sich an Veolia für die Planung einer biologischen Kläranlage, in der Schadstoffe durch Bakterien abgebaut werden. Eine Premiere in mehr als einer Hinsicht.
The essential
HERAUSFORDERUNG
Die Qualität des Abwassers von Alteo verbessern, bevor es im Naturpark Calanques ins Meer eingeleitet wird, damit es auch strengste Normen erfüllt.
Ziel
Eine nachhaltige Lösung finden für ein historisch gewachsenes Industrieunternehmen in der PACA-Region, dem die Schließung per Präfektorialerlass droht.
VEOLIAS LÖSUNG
Die Installation einer biologischen Kläranlage vor Ort, damit Alteo mit einer schnellen Reaktion zeigen kann, dass es mit seinen Zukunftslösungen einen Verbleib vor Ort verdient.
Veröffentlicht Januar 2021

In Sormiou mit seinem weißen Sandstrand, dem kristallklaren Wasser und den fast hundert Jahre alten Hütten scheint die Zeit still zu stehen. Sugiton ist bekannt für seinen berühmten "Torpedo"-Felsen, von dem nur die Wagemutigsten herunter springen.

Die Calanque d´En-Vau ist eine Bucht mit schwindelerregenden Klippen, für die sich der zweistündige Fußmarsch von Cassis aus lohnt. Man könnte diese Liste wohlklingender Namen, die das ganze Jahr über die Liebhaber des Mittelmeers erfreuen und immer wieder beliebte Motive auf den Postkarten der Region sind, beliebig fortsetzen. Diese Schätze der Natur zu schützen und zu bewahren, war das Ziel des 2012 gegründeten Nationalparks Calanques. Eine Maßnahme zum Schutz des natürlichen terrestrischen und maritimen Erbes, die seit 2015 dazu beigetragen hat, die jahrzehntelange umweltschädliche Einleitung der Bauxitrückstände durch Alteo an der Küste zu stoppen. Nach der berühmten "Rotschlamm-Episode", die viel Aufsehen erregt hatte, setzte der Tonerdeproduzent seine Bemühungen fort und erwarb zwei Kläranlagen. Die erste, 2019 eingeweihte Kläranlage verwaltet er selbst. Ihre kleine Schwester ist eine Lösung, die von den Veolia-Teams entwickelt wurde. Ziel: die absolut erforderliche Anpassung der Abwasserqualität an die Normen. Es war ganz einfach, uns drohte die Schließung per Präfektorialerlass und somit schlichtweg das „Aus“ unserer Geschäftstätigkeit“ erklärt Frédéric Ramé. Für den CEO von Alteo und sein Team war es folglich „extrem wichtig, einen Partner zu finden, der auf Abwasserbehandlung spezialisiert ist und in der Lage war, eine in unserer Sparte noch nie dagewesene Lösung umzusetzen. Und zwar innerhalb kürzester Zeit. 

Eckdaten:

  • Der Nationalpark Calanques hat jedes Jahr zwischen 1,5 und 2 Millionen Besucher (zu Land und zu Wasser). 
  • Im „Parc national des Calanques“ leben 60 geschützte Meeresarten und 140 geschützte terrestrische Tier- und Pflanzenarten.
  • Die beiden Anlagen haben eine Behandlungskapazität von 300 m3 Wasser pro Stunde.

 

Eine globale, schlüsselfertige Lösung

Anne-Laure Galmel, Eau France-Projektleiterin von Veolia für den Mittelmeerraum, arbeitete monatelang an diesem Projekt, das sicherstellen sollte, dass Industrieabwässer unabhängig von Menge und Qualität das ganze Jahr über so sauber und sauerstoffhaltig sind, dass sie in das Mittelmeer eingeleitet werden dürfen. „Die von uns entwickelte Behandlungsanlage wird mit Biomasse betrieben und steht direkt am Standort von Alteo. Dabei ahmen wir die Abläufe der Natur nach und setzen Bakterien ein, die die Schadstoffe „verzehren“. Anschließend folgt eine physikalisch chemische Behandlung zum Nachklären und eine „abschließende“ Behandlung zur Beseitigung der zurückgeblieben Schwebstoffe an den Filtern. Was hatte Alteo dazu bewogen, den Vorschlag von Veolia anzunehmen? „Die Tatsache, dass die Anlage schlüsselfertig war. Und weil Veolia abgesehen von der technologischen Seite das Projekt selbst ausführt, verwaltet, es nonstop begleitet und drei Jahre lang den Betrieb bzw. die Wartung übernimmt“ erklärt Frédéric Ramé.

Eine effiziente Zusammenarbeit

Die Lösung ist solide, beständig und wird beherrscht, denn bei Veolia und Alteo kam es sehr schnell zu einer engen Zusammenarbeit mit der Direktion für Business und Performance Support, der technischen Direktion von Eau France, OTVBI (Design & Build for Industry) und der Region Bouches-du-Rhône - Val de Durance. Von Ende 2016 bis Ende 2018 wurden zwei Anlagen am Standort errichtet und 2018 zwei Monate lang getestet. „Erfahrene und zuverlässige Ansprechpartner - darunter ein Discharge at Sea-Projektmanager, der mit Umweltfragen vertraut ist - ermöglichten eine reibungslose Zusammenarbeit mit Alteo. Man merkte, dass sie sich für das Projekt stark engagierten“, lobte Anne-Laure Galmel. Anfang 2019 reichte Veolia ein Vorprojekt der Lösung ein und konnte Alteo damit überzeugen. Schließlich würden 14 Monate, inklusive Lockdown, notwendig sein, um die Anlagen zu entwerfen,  herzustellen und im Sommer in Betrieb zu nehmen. „Die Situation war insgesamt schwierig, doch die Beteiligten kamen zurecht. Auch die Teams von Veolia waren flexibel. Ihr Engagement und ihre Fähigkeit, die richtigen Entscheidungen zu treffen, war sehr wichtig für uns„ bestätigt Frédéric Ramé. Das Ergebnis: eine bisher noch nie dagewesene Qualität des eingeleiteten Wassers. „Das ist eine Premiere, sowohl für Veolia, die diese Art von Abwasser bisher noch nicht behandelt hatte, aber auch für die Industrie generell, wo eine solch gute Wasserqualität am Austritt der Anlagen noch nie erzielt worden war. Unsere Werte liegen seit Juli weit unter den vorgeschriebenen Normwerten“ merkt Anne-Laure Galmel an und hofft, dass dieses Projekt andere Einheiten der Gruppe inspirieren wird. Inzwischen können Hüttenbewohner, Taucher und Wanderer im Nationalpark Calanques wieder ruhig schlafen. 

CHINA: KÜNSTLICHE INTELLIGENZ FÜR VERBESSERTE WASSERQUALITÄT

Ein Check-up des in Tanks gespeicherten Wassers (sekundäres Versorgungsnetz), das anstatt der üblichen 10 bis 20 Sekunden nur 0,49 Sekunden dauert: das ist ein Leistungssprung, den das „All Audit System“ zur leichteren Reinigung der von den Kommunen des Distrikt Pudong (Schanghai) verwalteten Tanks ermöglicht hat. Dieses von Shanghai Pudong Veolia Water Corporation Limited entwickelte Konzept stützt sich bei der Analyse der Wasserspeicherfotos auf künstliche Intelligenz (KI).

Das im April inmitten der Gesundheitskrise eingeführte, durchgängig funktionierende Kontrollsystem trägt zur verbesserten Organisation der Reinigungsarbeiten und folglich einer größeren Effizienz bei. Ergebnis: eine Erfolgsrate bei der Reinigung, die um 10,22% angestiegen ist und eine weitere, die den Sauberkeitsgrad der Wasserqualität nach der Reinigung auf 100% ansteigen lässt. Ein Segen für diese Region mit ihren 5 Millionen Einwohnern, wo gesetzlich zwei Reinigungen pro Jahr vorgeschrieben sind. Seit der Einführung dieses beschleunigten KI-basierten Kontrollsystems wurden sage und schreibe 27 000 Tanks geprüft. Kein Wunder, dass die Stadt Schanghai diese Lösung für alle ihre Check-Ups in Erwägung zieht.