Ressource Klärschlamm: Absolut naheliegend

Lokale Strategien für Kläranlagen zur Phosphorrückgewinnung und Energiegewinnung
Veröffentlicht: Dossier Oktober 2018

Die Novelle der Klärschlammverordnung verpflichtet Betreiber von Kläranlagen mit einer Kapazität von mehr als 50 000 Einwohnerwerten (EW) ab 2032 und mit einer Größe von mehr als 100 000 EW bereits ab 2029 zu einer konsequenten Rückgewinnung von Phosphor aus dem Abwasser und einer thermischen Verwertung des Klärschlamms. Klare Vorgaben für die Zukunft. Veolia arbeitet schon heute unter Hochdruck und mit Erfolg an lokalen Strategien, mit Signalwirkung über die Region hinaus.
 

Phosforce: Nährstoff für Pflanzen sichern

Phosphor als Hauptbestandteil von Düngemitteln ist in der Landwirtschaft unverzichtbar. Doch der Rohstoff wird knapp.  Es kann eine weltweite Ernährungskrise drohen. Phosphorrecycling rückt deshalb immer mehr in den Fokus nachhaltiger Ressourcensicherung. Mit PhosForce bietet Veolia jetzt eine lokale Lösung, die mehr als 50 Prozent Phosphor in Form von Struvit oder Brushit direkt aus dem Ab­- wasserstrom einer Kläranlage zurückgewinnen kann. Ein gerade für kleine und mittlere Kommunen kostengünstiger Weg.
 
Das Verfahren läuft derzeit auf einer von Veolia betriebenen Kläranlage in Schönebeck/Elbe im Pilotversuch. Neben großen Rückgewinnungsquoten zeigt sich dort eine lukrative, neue Flexibilität bei der Klärschlammverwertung – von der Monoverbrennung bis hin zur günstigeren Mitverbrennung des Klärschlamms. PhosForce ermöglicht kommunalen Betreibern so eine ökologisch und ökonomisch vorteilhafte Ressourcennutzung – und eröffnet einen wirtschaftlichen Weg, Nahrungsmittelherstellung weltweit zu sichern.
 

Klärschlamm: Neuer Energieträger aus der Region

Globaler Klimaschutz erfordert den Umbau der Energiewirtschaft – bis in  die kommunale Ebene hinein: Nach dem  Willen des Gesetzgebers läuft die Klärschlammverwertung auf landwirtschaftlichen Flächen aus, parallel dazu soll der Einsatz fossiler Brennstoffe gebremst und emissionsarme Energieträger nutzbar gemacht werden. Lösung für beide Anforderungen: die thermische Verwertung von Klärschlamm als Ersatzbrennstoff.
 
Auf dem Kraftwerksgelände des Kohlekraftwerks Boxberg O. L. entsteht bis 2020 eine Anlage, auf der Veolia zukünftig Klärschlämme regional und ökologisch sinnvoll weiterverarbeitet: Rund 50 000 Tonnen Klärschlamm sollen hier pro Jahr mit Restwärme aus dem Kraftwerk getrocknet und zu 14 000 Tonnen Klärschlammgranulat verarbeitet werden, das direkt vor Ort verbrannt und in Strom umgewandelt oder in nahen Zementwerken verwertet wird. Die Lösungen für Probleme der Energiegewinnung liegen häufig nah.
 
 

Die Wärme des Kraftwerks in Boxberg wird zur Trocknung von Klärschlamm genutzt

Mit der Wärme aus dem Kraftwerk wird Klärschlamm getrocknet und dort im Anschluss als Ersatzbrennstoff für die Stromgewinnung genutzt – an ein und demselben Standort.

 

"Klärwert": Kläranlage Steinhof macht's vor!

​Das Braunschweiger Projekt "Klärwert" wurde zum preisgekrönten Vorzeigebeispiel für lokale Kreislaufwirtschaft. Basierend auf einer testphase im Jahr 2015 (Projekt ThaMaPas) wurde im großen Mastab eine Verwertungs-Anlage gebaut, mit der 25 bis 35 Prozent des Phosphors aus Klärschlamm zurückgewonnen werden können. Neben Phosphor als Dünger, soll Stickstoff aus dem Prozesswasser gewonnen werden und der Klärschlamm als Energielieferant dienen. Durch die effiziente und ressourcenschonende Verwertung des Klärschlamms werden Belastungen durch zurückgeführtes Wasser verhindert, Klärschlammengen verringert und die Gasproduktion zur Energiegewinnung erhöht. Klärschlamm wird zu einem schadstoffarmen Dünger umgewandelt (Phosphorrückgewinnung von ca. 30 Prozent) und dient durch die Thermohydrolyse zusätzlich als Energielieferant. 2018 erfolgte die erste großtechnische Umsetzung des Projekts "Klärwert".

Veolia schließt einen weiteren Kreislauf und kann zudem zu einer zukunftsweisenden Landwirtschaft beitragen, in der die Ressourcen Boden und Grundwasser geschützt werden.