Bessere Rahmenbedingungen für Rezyklate

Deutschland verbraucht Jahr für Jahr mehr natürliche Ressourcen als nötig. Veolia und der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e.V. fordern deshalb, den Einsatz an Rezyklaten in der industriellen Produktion zu steigern.
Veröffentlicht April 2020

Nur gut 14 Prozent der in der Kunststoffverarbeitung eingesetzten Rohstoffe in Deutschland sind Rezyklate, die durch das Recycling gewonnen werden. Doch eine nachhaltige Wirtschaft sieht anders aus: Ressourcen sollten dabei eher gebraucht als verbraucht werden. Jede Tonne Primärrohstoffe, die nicht eingesetzt wird, entlastet die Umwelt. Allein durch das Kunststoffrecycling an seinen Standorten in Rostock und Bernburg hilft Veolia seinen Kunden aus der kunststoffverarbeitenden Industrie ca. 180.000 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr einzusparen.
 

Peter Kurth, BDE-Präsident

"Nur mit klugen politischen Instrumenten können wir den Schatz der Kreislaufwirtschaft wirklich heben."

„Die Erkenntnisse sind seit langem bekannt, nur die Umsetzung stimmt nicht. In der Wissenschaft besteht Einigkeit, dass in der Kreislaufwirtschaft erhebliche Potentiale stecken. Die Politik jedoch greift diese Chance nicht auf. Aber nur mit klugen politischen Instrumenten können wir den Schatz der Kreislaufwirtschaft wirklich heben”, betont Peter Kurth, Präsident des BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V.

 

Nachfrage gesetzlich fördern

Die zentrale Herausforderung für Industrie und Politik ist es deshalb, durch bessere Rahmenbedingungen für eine höhere Nachfrage nach Rezyklaten zu sorgen und so die Kreisläufe zu schließen. Große Erwartungen hatte die Branche an die kommende Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes. Aus Sicht des BDE habe die Bundesregierung in ihrem Entwurf aber wichtige Chancen ungenutzt gelassen: Beispielsweise hätte durch die Festlegung einer Mindesteinsatzquote von Rezyklaten in neuen Produkten („Minimal Content“) die Nachfrage nach diesen Materialien wirksam gefördert werden können.

Schon heute verarbeitet das Veolia-Tochterunternehmen Multiport jährlich rund 35.000 Tonnen Kunststoffabfälle zu Compounds, die von der Kunststoffindustrie für die Substitution von Neuware eingesetzt werden - Kapazität für höhere Mengen ist vorhanden. Auch die im Gesetzesentwurf vorgesehene Regelung zur sogenannten nachhaltigen öffentlichen Beschaffung, also z. B. die bevorzugte Beschaffung von Produkten mit hohem Rezyklatanteil, erachten viele Unternehmen der Branche als nicht mutig genug.

Produktkennzeichnung von Vorteil

Positiv sieht man hingegen die geplante Einführung eines Recyclinglabels, also eine Produktkennzeichnung für Verbraucher mit Aussagen über die Recyclingfähigkeit der Verpackung und auch den tatsächlichen Rezyklateinsatz. „Letztendlich brauchen wir einen mutigen legislativen Dreiklang von Minimal Content, nachhaltiger Beschaffung und Recyclinglabel. Es wäre gut, wenn die Akteure von Bundesrat und Bundestag hier noch weiter nachschärfen würden. Gut gemeint ist nicht gut gemacht”, fasst Peter Kurth zusammen.

Recyclingfähigkeit von Verpackungen

Neben verbindlichen Rahmenbedingungen braucht es aus Sicht der Branche auch eine bessere Durchsetzung bestehender Gesetze auf kommunaler Ebene – denn nur so können die bereits beschlossenen Regelungen ihre Wirkung entfalten. Außerdem muss die Recyclingfähigkeit bereits bei der Herstellung von Kunststoffprodukten konsequenter mitgedacht werden. Denn die Produktgestaltung sowie die Auswahl und Verbindung der verwendeten Materialien haben - insbesondere bei Verpackungen  - erheblichen Einfluss auf die Recyclingfähigkeit. Letztlich sind aber auch die Verbraucher gefragt: Jeder Einzelne kann mit korrektem Trennverhalten und durch bedachte Kaufentscheidungen einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Kreislaufwirtschaft und zu einem höheren Rezyklateinsatz leisten.

Welche Möglichkeiten es dabei gibt, zeigen die Initiative "Forum Rezyklat" und die Informationionskampagne "Mülltrennung wirkt".